Landkreisweite Fortbildungsveranstaltung in Sachen Technische Hilfeleistung nach Verkehrsunfällen

Velden RescueDays
Feuerwehr Velden/Vils veranstaltet ersten RescueDay im Lkr. Landshut

Velden/Vils. Schaden in Millionenhöhe wurde von den Freiwilligen Feuerwehren des Landkreises Landshut am vergangenen Samstag in Velden an der Vils verursacht. Dabei floss viel Schweiß, nicht nur wegen des traumhaften Sommerwetters, sondern auch wegen den großen Anstrengungen den neuen Karosserien des Autobauers BMW Herr zu werden. Beobachtet wurde dies alles von Vertretern aus Politik und Kreisbrandinspektion des Landkreis Landshut.

Vor rund drei Jahren entschloss sich Markus Zankl, Mitglied der FF Velden/Vils und Mitarbeiter bei BMW einen RescueDay zu veranstalten. Ziel einer solchen Veranstaltung sollte sein, dass möglichst viele freiwillige Helfer der Feuerwehren des Landkreis Landshut die Möglichkeit haben, an neuen Karosserien und deren Strukturen mit Hilfe von hydraulischen Rettungsgeräten zu arbeiten. Dabei galt es zunächst eine geeignete Fläche zu finden, auf welcher eine solche Veranstaltung abgehalten werden kann. Dankenswerterweise stellte hier die Firma Hübl ihr großflächiges Areal zur Verfügung. Die Fa. Hertenberger lieferte zahlreiche Schrottautos. Auch die Firma ABK Krüger GmbH stellte einen Autokran und Berge-LKW zur Verfügung. Die Firma BMW stellte für diese Veranstaltung rund 20 Vorserien und Versuchsfahrzeuge im Wert von über einer Million Euro zur Verfügung, die komplett auseinandergeschnitten werden konnten. Als Ausbildungspartner konnte die Firma WeberRescue gewonnen werden, diese stellt hydraulische Rettungsgeräte für Feuerwehren und Hilfsorganisationen her und bietet auch Schulungen in diesem Bereich an.

Auch eine Theorieeinheit durfte dabei nicht fehlen. Diese wurde am Vorabend in Hinterskirchen im Gasthaus Rampl abgehalten um zunächst ein Einblick in die Unfallrettung und deren Ablauf zu bekommen. Als große Änderung der bisherigen Abläufe gilt hier, dass nicht mehr nach einem bestimmten Ablaufplan gearbeitet wird, sondern nur mehr die tatsächliche Einklemmung beseitigt wird, um den Patienten schnellstmöglich einer ärztlichen Behandlung zuzuführen und hier einen zeitlichen Vorteil zu gewinnen. Wurde früher meist das Dach eines Unfallfahrzeugs entfernt um an einen Verunfallten heranzukommen, so reicht es in den meisten Fällen aus, eine „große Fahrzeugöffnung“ zu schaffen. Dabei werden die beiden Türen einer Seite sowie die B-Säule entfernt und der Patient kann dadurch achsengerecht gerettet werden.

Am Samstag wurde das am Vorabend erlernte Wissen dann in der Praxis vertieft. Die rund 100 Teilnehmer durchliefen dabei fünf verschiedene Stationen, die ihnen alles abverlangten. So wurde ein Busunfall mit unfallrealistisch geschminkten Mimen simuliert. Dabei galt es für den anwesenden Rettungsdienst der Malteser zunächst eine Sichtung vorzunehmen, damit der Grad der Verletzung festgestellt werden kann. Anschließend wurde an dem Buswrack, welches sich auf einem Kiesberg befand und den Abhang abzustürzen drohte die Seitenscheiben entfernt und die verletzten Kinder gerettet und einer rettungsdienstlichen Versorgung zugeführt.

An einer weiteren Station wurde ein BMW auf einer Leitplanke auf dem Dach liegend vorgefunden. Hier wurde ebenfalls die zügige Befreiung einer eingeklemmten Person geübt und verschiedene Techniken vom Ausbilderteam der Firma WeberRescue, wie die Rettung durch den Kofferraum, veranschaulicht. Szenarien wie „PKW unter LKW“ oder „PKW seitlich gegen Baum“ wurden ebenfalls realistisch geübt. Auch wurde ausführlich auf die neuen Antriebsarten in der Fahrzeugbranche eingegangen, wie man diese erkennen kann und man bei einem Verkehrsunfall damit umgeht.

An Fahrzeugen mit Carbonstruktur wurde deutlich, welche Belastungen diese Karossen aufnehmen können. Jedoch zeigte sich auch, wie schwierig es für die Hilfskräfte werden kann, in ein solches deformiertes Fahrzeug zu gelangen. Nur mit Einwegschutzanzügen und Feinstaubschutzmasken kann an diesen Fahrzeugen gearbeitet werden, da die Carbonfaser ähnlich wie die Asbestfaser als krebserregend gilt.

Am Nachmittag verfolgten Vertreter aus Politik aber auch der Kreisbrandinspektion Landshut das eifrige Üben an den Fahrzeugen und liesen sich von Markus Zankl die einzelnen Stationen auf dem Übungsgelände ausführlich erklären. Sowohl Landrat Peter Dreier als auch Kreisbrandrat Thomas Loibl zeigten sich beeindruckt, was hier in Zukunft auf die Feuerwehren zukommt und auch jetzt schon abverlangt wird. Beide betonten, wie wichtig es ist, sich mit den neuen Strukturen und Werkstoffen der Automobilindustrie vertraut zu machen, um im Ernstfall schnelle und qualifizierte Hilfe leisten zu können.

Am Ende des Tages waren alle Teilnehmer sichtlich erschöpft, aber auch zufrieden so viel Wissen und Praxiserfahrung gesammelt zu haben, um nun die Mitglieder in den Heimatwehren darin weiterbilden zu können, um im Ernstfall schnelle Hilfe leisten zu können und möglichst viele Menschenleben retten zu können. Man kann davon ausgehen, dass diese Veranstaltung in den nächsten Jahren nochmals wiederholt werden wird.             

Bericht und Fotos Dominik Götz                       

                                     

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