Neue Feuerwehrhelme nach EN 443 - Ein Fortschritt ???

 

Mit neuen Feuerwehrhelmen nach der Europanorm EN 443 sind einige Vorfälle bekannt geworden, die bei den Feuerwehren Ärger und vor allem Verunsicherungen ausgelöst haben. Bisher sind die Feuerwehren in Deutschland überwiegend mit dem Feuerwehrhelm nach DIN 14940 ausgerüstet. In der Europanorm EN 443, welche die DIN 14940 abgelöst hat, ist festgelegt, dass der Feuerwehrhelm elektrisch nicht leitend sein muss.

Damit kann der alte Helm aus Aluminium nicht mehr der Europanorm entsprechen. Anzumerken ist in diesem Zusammenhang, dass bis heute, d.h. seit fast 50 Jahren in denen der Helm im Einsatz ist, keine Schädigung wegen der elektrischen Leitfähigkeit bekannt geworden ist, obwohl bei unzähligen Kellerbränden im Innenangriff Kabel mit abgeschmolzener Isolierung vorhanden waren.

Die EN 443 beschreibt jetzt nicht mehr einen Helm in Form und Material wie DIN 14940, sondern legt wie bei der Schutzkleidung Prüfbedingungen für Mindestanforderungen fest. Zur Beständigkeit gegen Strahlungswärme wird der Helm 180 Sekunden lang einer Bestrahlungsstärke von 7 kW/ m 2 oder optionell 14 kW/m 2 aus einem vorgegebenen Heizfeld in einem bestimmten Abstand ausgesetzt. In der Deutschen Version der EN 443 wurde die Bestrahlungsstärke auf 7 kW/m 2 belassen. Die Helme müssen u. a. auch mit der geprüften Strahlungswärme gekennzeichnet sein, wie z.B. [14] oder [7].

Bereits vor 1 ½ Jahren traten im Rahmen einer Grundausbildung bei heißen Übungen Schwierigkeiten mit einem Helm nach EN 443 auf, der von einem Angriffstrupp getragen wurde. Bei dem Helm schmolz der Heißkleber, mit dem eine Innenschale aus Styropor eingeklebt war. Der flüssige Heißkleber, der nach

Angaben des Herstellers mindestens 170°C aushält, lief dem Feuerwehrmann übers Gesicht. Das eingeklebte Styropor löste sich teilweise auf. Verletzungen konnten durch eine Flammschutzhaube, die unter dem Helm getragen wurde, vermieden werden.

Der Vorfall wurde dem GUV-Bayern mitgeteilt, der die Informationen an den Normenausschuss weitergegeben und dabei festgestellt hat, dass die Mindestanforderungen, die für den Schutz des Kopfes gelten, geringer sind als die für die Schutzkleidung. Hier zeigt sich ein Systemfehler.

In der letzten Zeit gab es Vorkommnisse mit Helmen aus Textil-Phenol-Kunstharz, die bei Übungen in Brandübungsanlagen getragen wurden. An den Helmen bildeten sich Blasen und Risse, z.T. so starke Verformungen, dass sich bei einem Helmträger der Kinnriemen zugezogen hat.

Von verschiedenen Seiten werden diese Vorfälle auf zu hohe Temperaturen in den Brandübungsanlagen zurückgeführt, die angeblich im realen Brandeinsatz nicht vorkommen. Dieser Aussage muss entschieden widersprochen werden. Bei Zimmerbränden treten z.T. noch höhere Temperaturen auf. Lediglich die geringere Verbreitung neuer Helme hat in der Praxis zum Glück noch nicht zu solchen Unfällen geführt.

Es ist sehr ärgerlich, dass die Feuerwehren durch die europäische Norm einen Helm beschaffen müssen, der teurer ist als das bisherige Produkt und einen geringeren Schutz bietet. Wo bleibt hier der Fortschritt? Es ist den Feuerwehren und den Gemeinden nicht vermittelbar, dass sie einen Helm nach EN 443 beschaffen sollen, der nicht im Rahmen eines Innenangriffs eingesetzt werden kann.

Für den Innenangriff sollen Helme beschafft werden, die weit über den Anforderungen der EN 443 liegen und noch teurer sind. Welche Helme über der Norm sind dann die Richtigen? Die Temperaturanforderungen der EN 443 müssen dringend überprüft und geändert werden.

Bis das Problem auf dieser Ebene gelöst ist, können wir nur raten, keine neuen Helme zu beschaffen. Die Hinweise des Bundesverbandes der Unfallkassen, dass nur noch Produkte nach den gültigen Normen beschafft werden dürfen, sind unter den Erkenntnissen bezüglich des Helmes sehr bedenklich. Wir weisen daher ausdrücklich darauf hin, dass der alte Helm nicht ersetzt werden muss. Der Helm kann weiterhin getragen werden, sodass lediglich durch die Einführung der Europanorm kein Beschaffungsbedarf für neue Helme entsteht. Passen wir also gut auf unseren alten Helm auf, wir haben keinen besseren!